Yoga mal anders Teil II: Sich einfach mal hängen lassen

Ein Yoga-Erlebnis der anderen Art erwartete uns beim AerialYoga. Beim ersten Versuch trafen wir uns mit einem AerialYoga Trainer aus Berlin, Björn Heucke von Aerialyoga-berlin.de, der sowohl Lehrer für diese spezielle Yoga-Art ausbildet als auch die Tücher verkauft. In seinem Studio machten wir den ersten Kontakt „mit dem Tuch“ und Björn berichtete uns über die Vorteile des „schwebenden Yogas“.

AerialYoga ist eine Kombination aus klassischem Yoga und Elementen der Luftakrobatik, die mit Hilfe einer Tuchschlinge, die an der Decke befestigt ist, durchgeführt werden. Anfänger profitieren von dem Tuch, da dieses ihnen erlaubt, Positionen einzunehmen, die ansonsten nur gut gedehnte Profis schaffen würden. Und Yoga-Profis können mit Hilfe des Tuchs an besonders herausfordernden Übungen arbeiten und in das Feld der Akrobatik rein schnuppern. Für alle Teilnehmer eines AerialYoga Kurses gilt: Die Besonderheit liegt in den Umkehrhaltungen, bei denen der Körper kopfüber im Tuch hängt. Dadurch steht nicht nur die Welt Kopf, sondern auch alle Organe im Körper „rutschen“ einmal aus ihrer gewohnten Positionen, das Blutgefäßsystem wird gestärkt und Wirbelsäule und Gelenke werden entlastet.

Durch AerialYoga kann so zum einen eine tiefe Dehnung und Entspannung erreicht werden. Andererseits werden aber auch die Muskeln, vor allem die Tiefenmuskulatur, gestärkt, da man im Tuch durchgehend die Balance halten muss. Eine gewisse Grundfitness sollte entsprechend vorhanden sein, damit man die Übungen korrekt durchführen kann und es nicht zu Fehlhaltungen kommt. Außerdem sollten Menschen mit Bluthochdruck, erhöhtem Augendruck, Innenohrproblemen, Herzinsuffizienz, Epilepsie, massivem Übergewicht oder akut erniedrigtem Blutdruck vorab einen Arzt befragen, ob sie AerialYoga ausprobieren sollten oder lieber nicht.

Unser erster Kontakt mit dem Tuch war noch etwas schüchtern. Nachdem Björn uns ein paar Übungen gezeigt hatte, sollten wir uns zuerst einfach mal in das Tuch setzen. Und wir müssen zugeben: Unsere Erfahrungen mit Yogatüchern oder auch Hängematten hielt sich bisher in Grenzen und wir stellen uns etwas ungeschickt an. Nachdem aber die anfängliche Skepsis überwunden war, trauten wir uns an ein paar Positionen und ließen uns auch kopfüber im Tuch hängen. Anfangs rauscht es erst einmal im Kopf und man muss sich an das neue Körpergefühl gewöhnen. Dann jedoch macht es Spaß, kopfüber einfach mal alles los zu lassen und entspannt „abzuhängen“.

Nach diesem „Erstkontakt“ wollten wir AerialYoga noch etwas besser kennen lernen und durften bei Jost Blomeyer von aerial-yoga.de im Aspria in Berlin einen Kurs mit machen. Im Kursraum angekommen, kümmerten sich die erfahrenen AerialYoga Teilnehmer schon um ihre Tücher und ließen sich gleich entspannt kopfüber hängen, während wir „Neuen“ erklärt bekamen, wie wir das Tuch am besten aufhängen. Schritt für Schritt erklärte Jost in der Stunde die verschiedenen Übungen: Wie kommt man am besten in das Tuch hinein? Wie und wo halte ich mich fest? Und wie kommt man wieder raus? Mit Hilfe der Anleitungen praktizierten wir so Yoga „im Tuch“: Angefangen bei einer Entspannungsübung, über verschiedene Dehn-Übungen und Krieger-Stellungen sowie Positionen, bei denen man die Kraft in den Beinen und Armen trainierte, bis zur Endentspannung.

Der Flow, den wir von der „normalen“ Yoga-Praxis kennen, fehlte uns ein wenig. Als Anfänger, der noch viel Erklärung braucht und etwas umständlich mit der Tuchschlinge umgeht, gelangt man leider nicht in die fließenden Übergange der Asanas auf der Matte. Außerdem stellten wir fest, dass manche Übungen sogar ziemlich weh tun: Wenn man im Tuch sitzt, steht oder andersartig seine Beine darin verknotet hat, drückt die Tuchkante auf das Bindegewebe. Manche Übungen waren so unangenehm, dass wir die Positionen nicht aushalten konnten. Jost erklärte uns am Ende, dass durch die Übungen mit dem Tuch auch eine Art „Faszien-Massage“ entsteht, ähnlich wie die Selbstmassage auf einer Faszienrolle – und von der kennen wir den doch zum Teil sehr schmerzhaften Druck gut genug.

Andererseits bot uns das AerialYoga jedoch gute Übungen zum Dehnen und Entspannen und auch die Kraftübungen kamen nicht zu kurz, wie wir am Muskelkater im Bauch am nächsten Tag feststellten. Und kopfüber durch den Raum zu Schaukeln oder sich einfach hängen zu lassen, ist auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis. Und wie bei allen Sportarten und Übungen gilt: Die Übung macht den Meister. In diesem Video zeigt uns Jost, wie man auch beim AerialYoga zum Flow gelangen kann.

Hinweis: Die Teilnahme an den Kursen wurde uns freundlicherweise von Björn Heucke sowie Jost Blomeyer und dem Aspria kostenlos zur Verfügung gestellt.

Fotos: Fddb

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