Yoga – esoterischer Firlefanz oder Sport?

Wir haben schon oft Sportangebote vorgestellt und getestet, die gezielt dem Abnehmen und „fit werden“ dienen. Doch neben allen möglichen Neuheiten – HIIT Training, Cycling, Jumping, etc – gibt es einen „Trend“, der schon länger besteht und immer mehr Menschen begeistert: Yoga. Doch ist das eigentlich Sport? Oder nur esoterischer Hokuspokus? Wir möchten uns in einer Artikelreihe mit dem Thema auseinander setzen.

Manche Menschen, die bisher noch keinen Kontakt mit Yoga hatten, verbinden damit Räucherstäbchen, auf einem Kissen herum sitzen und meditieren. Also vielleicht eher ein Hobby für Esoteriker oder Muttis? 😉 Andererseits gibt es mittlerweile in Deutschland schon rund 3 Millionen Menschen, die Yoga praktizieren: Demnach doch keine Beschäftigung für „Außenseiter“?
Die Gründe, um mit Yoga anzufangen, sind unterschiedlich: Ruhe finden, Schmerzen lindern und/oder sich sportlich zu betätigen. Sport scheint also ein Bestandteil vom Yoga zu sein?

Ursprünglich stammt Yoga aus Indien und durfte dort anfangs nur von Männern praktiziert werden (soviel zum Vorurteil „das machen ja nur Frauen/Muttis“ 😉 ). Es diente als Vorbereitung des Körpers für die Meditation. Der Duden definiert Yoga entsprechend als „indische philosophische Lehre, die durch Meditation, Askese und bestimmte körperliche Übungen den Menschen vom Gebundensein an die Last der Körperlichkeit befreien will.“ Im Laufe der Jahre hat sich Yoga jedoch weiter entwickelt und viele verschiedene Formen angenommen. Während bei manchen Yogaformen immer noch die Meditation und die Besinnung auf den Geist im Vordergrund stehen, gibt es aber auch sehr sportliche Varianten, bei denen man definitiv ins Schwitzen kommt.

Generell lässt sich sagen, dass Yoga keine „Sportart“ ist, sondern einen Lebenseinstellung, die das Training für Körper UND Seele umfasst. So sollte man seinen Körper gesund halten, weil er der Tempel der Seele ist. Schließlich sagte schon der römische Dichter Juvenal: „Mens sana in corpore sano – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Beim Yoga steht entsprechend nicht der sportliche Erfolg oder Wettbewerb im Vordergrund, sondern es geht um Achtsamkeit für sich und seinen Körper, um das „bewusst sein“ im Hier und Jetzt und die Konzentration auf seinen Atem und die Bedürfnisse des eigenen Körpers. Und im Grunde sind diese „Regeln des Yoga“ auch bei der Ernährung wichtig: Wer beim Yoga lernt, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten, der kann auch beim Thema Ernährung eher in sich hinein spüren, wann und ob man Hunger hat und welche Lebensmittel dem Körper nun gut tun würden. Ebenso wie ein „bewusstes Essen“ dazu führen kann, dass man wieder mehr Genuss spürt und sich gesünder ernährt. Deshalb gilt: Bei regelmäßiger Praxis fördert Yoga Gesundheit, Ausgeglichenheit und Vitalität.

Nichtsdestotrotz möchten wir auch einen Blick auf den sportlichen Aspekt des Yoga werfen. Man kann Yoga entweder nur alleine oder als Kombination mit anderen Sportarten praktizieren. Regelmäßige Yoga-Praxis verbessert die Haltung und Rumpfstabilität, verringert die Verletzungsanfälligkeit und stärkt die tiefer sitzenden Muskeln. Außerdem werden innere Organe und das Bindegewebe stimuliert, die Blutzirkulation gezielt angeregt und der Stoffwechsel aktiviert. Somit hat Yoga positive Effekte auf den gesamten Körper: Flexibilität, Koordination, Stärkung von Wirbelsäule und Tiefenmuskulatur, gesunde Gelenke, Ausdauer und Balance.

Die Yoga-Praxis setzt sich dabei aus drei Bereichen zusammen: Die Asanas – das sind die Übungen für den Körper. Pranamaya – die Atemtechnik, die für den inneren Ausgleich sorgen soll. Und Meditationsübungen für Achtsamkeit und für die Seele. Bei den Asanas gibt es Übungen zum Stretching und zum Muskelaufbau, für die Kraft. So ähnelt die „Stuhlposition“ beispielsweise einer Kniebeuge und dient dem Training der Oberschenkel. Auch die „Kriegerpositionen“ – Ausfallschritten ähnlich – stärken die Beine. Die „schiefe Ebene“ ist eine Liegestützposition, welche die gesamte Rumpfmuskulatur und die Arme trainiert. Je nach Yogastil werden die Asanas fließend oder eher statisch ausgeführt. Man kann dabei auf jeden Fall ins Schwitzen kommen und spürt anfangs auch oft einen Muskelkater nach der Praxis. In diesem Sinne gibt es von uns also definitiv ein Ja: Yoga ist also Sport. Aber nicht nur.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Yoga-Stilen und entsprechend für jeden Geschmack und jedes sportliche Level ein Angebot. Während Raja Yoga eher spirituell und durch ruhige Stellungen, Enthaltung sowie Atem- und Meditationsübungen geprägt ist, steht beim Hatha Yoga die körperliche Anstrengung im Vordergrund. Hatha Yoga ist bei uns im Westen auch am meisten vertreten. Außerdem gibt es Vinyasa Yoga mit sehr fließenden Bewegungen oder Iyengar Yoga mit eher statischen Übungen. Neuere „Trends“ beim Yoga sind Bikram oder Hotpod Yoga in 35 – 40 Grad heißen Räumen, Aerial Yoga – „schwebend“ in Tüchern“ oder das akrobatische Acro Yoga. In folgenden Artikeln werden wir euch ein paar unterschiedliche Yoga Style noch genauer vorstellen!

Wichtig ist, dass man als Yoga Anfänger auch wirklich einen Anfängerkurs besucht – egal, wie sportlich man schon ist. Nur wenn man die Basics lernt und die Grundpositionen korrekt ausführen kann, sollte man sich an schwierigere Positionen heran wagen, da ansonsten die Verletzungsgefahr zu groß ist. So gesund Yoga für den Körper auch ist: Manche Positionen sind anspruchsvoll und können bei falschem Ehrgeiz oder falscher Ausführung zu Verletzungen am Nacken, unteren Rücken oder an den Knien führen. Unter richtiger Anleitung kann man anspruchsvolle Positionen jedoch erlernen oder sich einfachere Alternativen zeigen lassen. So können der Kopfstand oder der Schulterstand beispielsweise zu Verletzungen und Schmerzen im Nacken führen. Hier sollte man mit kleinen Übungen anfangen und sich langsam und unter Anleitung herantasten. Außerdem gibt es dafür zum Beispiel den Feet-Up Hocker, der ein super Einstieg in den Kopfstand ist. Wie gut, dass wir den Hocker auch testen durften!

Bei richtiger Ausführung ist Yoga jedoch sehr gesund und kann sogar bei der Behandlung von Krankheiten helfen, Stress lindern und Nacken- und Rückenschmerzen reduzieren. Wir jedenfalls sind begeisterte Yoga-Fans und fühlen uns nach der Yoga-Praxis sowohl körperlich fitter als auch geistig entspannter. Deshalb haben wir bald noch mehr zum Thema Yoga für euch und stellen euch in weiteren Artikeln bestimmte Yoga-Style, -Hilfsmittel und -Techniken vor. Bleibt gespannt!

Fotos: Fddb

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