Archive for 17. August 2018

Yoga mal anders Teil II: Sich einfach mal hängen lassen

Ein Yoga-Erlebnis der anderen Art erwartete uns beim AerialYoga. Beim ersten Versuch trafen wir uns mit einem AerialYoga Trainer aus Berlin, Björn Heucke von Aerialyoga-berlin.de, der sowohl Lehrer für diese spezielle Yoga-Art ausbildet als auch die Tücher verkauft. In seinem Studio machten wir den ersten Kontakt „mit dem Tuch“ und Björn berichtete uns über die Vorteile des „schwebenden Yogas“.

AerialYoga ist eine Kombination aus klassischem Yoga und Elementen der Luftakrobatik, die mit Hilfe einer Tuchschlinge, die an der Decke befestigt ist, durchgeführt werden. Anfänger profitieren von dem Tuch, da dieses ihnen erlaubt, Positionen einzunehmen, die ansonsten nur gut gedehnte Profis schaffen würden. Und Yoga-Profis können mit Hilfe des Tuchs an besonders herausfordernden Übungen arbeiten und in das Feld der Akrobatik rein schnuppern. Für alle Teilnehmer eines AerialYoga Kurses gilt: Die Besonderheit liegt in den Umkehrhaltungen, bei denen der Körper kopfüber im Tuch hängt. Dadurch steht nicht nur die Welt Kopf, sondern auch alle Organe im Körper „rutschen“ einmal aus ihrer gewohnten Positionen, das Blutgefäßsystem wird gestärkt und Wirbelsäule und Gelenke werden entlastet.

Durch AerialYoga kann so zum einen eine tiefe Dehnung und Entspannung erreicht werden. Andererseits werden aber auch die Muskeln, vor allem die Tiefenmuskulatur, gestärkt, da man im Tuch durchgehend die Balance halten muss. Eine gewisse Grundfitness sollte entsprechend vorhanden sein, damit man die Übungen korrekt durchführen kann und es nicht zu Fehlhaltungen kommt. Außerdem sollten Menschen mit Bluthochdruck, erhöhtem Augendruck, Innenohrproblemen, Herzinsuffizienz, Epilepsie, massivem Übergewicht oder akut erniedrigtem Blutdruck vorab einen Arzt befragen, ob sie AerialYoga ausprobieren sollten oder lieber nicht.

Unser erster Kontakt mit dem Tuch war noch etwas schüchtern. Nachdem Björn uns ein paar Übungen gezeigt hatte, sollten wir uns zuerst einfach mal in das Tuch setzen. Und wir müssen zugeben: Unsere Erfahrungen mit Yogatüchern oder auch Hängematten hielt sich bisher in Grenzen und wir stellen uns etwas ungeschickt an. Nachdem aber die anfängliche Skepsis überwunden war, trauten wir uns an ein paar Positionen und ließen uns auch kopfüber im Tuch hängen. Anfangs rauscht es erst einmal im Kopf und man muss sich an das neue Körpergefühl gewöhnen. Dann jedoch macht es Spaß, kopfüber einfach mal alles los zu lassen und entspannt „abzuhängen“.

Nach diesem „Erstkontakt“ wollten wir AerialYoga noch etwas besser kennen lernen und durften bei Jost Blomeyer von aerial-yoga.de im Aspria in Berlin einen Kurs mit machen. Im Kursraum angekommen, kümmerten sich die erfahrenen AerialYoga Teilnehmer schon um ihre Tücher und ließen sich gleich entspannt kopfüber hängen, während wir „Neuen“ erklärt bekamen, wie wir das Tuch am besten aufhängen. Schritt für Schritt erklärte Jost in der Stunde die verschiedenen Übungen: Wie kommt man am besten in das Tuch hinein? Wie und wo halte ich mich fest? Und wie kommt man wieder raus? Mit Hilfe der Anleitungen praktizierten wir so Yoga „im Tuch“: Angefangen bei einer Entspannungsübung, über verschiedene Dehn-Übungen und Krieger-Stellungen sowie Positionen, bei denen man die Kraft in den Beinen und Armen trainierte, bis zur Endentspannung.

Der Flow, den wir von der „normalen“ Yoga-Praxis kennen, fehlte uns ein wenig. Als Anfänger, der noch viel Erklärung braucht und etwas umständlich mit der Tuchschlinge umgeht, gelangt man leider nicht in die fließenden Übergange der Asanas auf der Matte. Außerdem stellten wir fest, dass manche Übungen sogar ziemlich weh tun: Wenn man im Tuch sitzt, steht oder andersartig seine Beine darin verknotet hat, drückt die Tuchkante auf das Bindegewebe. Manche Übungen waren so unangenehm, dass wir die Positionen nicht aushalten konnten. Jost erklärte uns am Ende, dass durch die Übungen mit dem Tuch auch eine Art „Faszien-Massage“ entsteht, ähnlich wie die Selbstmassage auf einer Faszienrolle – und von der kennen wir den doch zum Teil sehr schmerzhaften Druck gut genug.

Andererseits bot uns das AerialYoga jedoch gute Übungen zum Dehnen und Entspannen und auch die Kraftübungen kamen nicht zu kurz, wie wir am Muskelkater im Bauch am nächsten Tag feststellten. Und kopfüber durch den Raum zu Schaukeln oder sich einfach hängen zu lassen, ist auf jeden Fall ein einmaliges Erlebnis. Und wie bei allen Sportarten und Übungen gilt: Die Übung macht den Meister. In diesem Video zeigt uns Jost, wie man auch beim AerialYoga zum Flow gelangen kann.

Hinweis: Die Teilnahme an den Kursen wurde uns freundlicherweise von Björn Heucke sowie Jost Blomeyer und dem Aspria kostenlos zur Verfügung gestellt.

Fotos: Fddb

Yoga mal anders Teil I: Schwitzen bei 37 Grad

In unserem ersten Artikel über Yoga haben wir bereits Hintergründe sowie Vor- und Nachteile von Yoga beschrieben. Im Laufe der nächsten Artikel möchten wir euch gerne etwas ausgefallenere Yoga-Arten vorstellen, angefangen mit Hotpod Yoga.

Unter den Begriff Hot Yoga fallen sowohl Bikram als auch Hotpod Yoga. Beim Hot Yoga wird eine Serie von Asanas, Yoga-Übungen, in einem heißen Raum bei circa 35 – 40 Grad Celsius praktiziert. Durch die Wärme sollen Muskeln und Sehnen geschont und das Verletzungsrisiko minimiert werden. Die Hitze sorgt dafür, dass das Binde- und Muskelgewebe weicher und elastischer wird und so die Bewegungsmöglichkeiten bei der Yoga Praxis größer als im kalten Raum werden.

Das besondere beim Hotpod Yoga ist der sogenannte Pod: Ein aufblasbarer, kokon-artiger Raum, der auf 37 Grad Celsius erwärmt wird. Durch eine kleine Öffnung betritt man das warme „Zelt“, das in gedimmtes, lilafarbenes Licht getaucht ist und Platz für bis zu 20 Teilnehmer bietet. Es ist ziemlich dunkel in dem Pod und man spürt sofort die warme Luft und hört sanfte Hintergrundmusik. Da das Material des Pods atmungsaktiv ist, wird die alte, verbrauchte Luft während des Trainings nach außen transportiert, während im Inneren frische, warme Luft verströmt wird.

Bei unserem Test erschien die Situation etwas surreal: Mitten am Tag betraten wir den Raum mit dem Hotpod, draußen heller Sonnenschein. Und dann schlüpften wir – mit luftig-leichter Sportkleidung – in den dunklen und warmen Pod und fühlten uns wie in einer anderen Welt. Anfangs fühlten wir uns etwas von der Außenwelt abgeschnitten und mussten uns erst einmal auf die neue Situation einlassen. Doch dann merkten wir im Laufe der Yoga-Stunde, dass der dunkle Raum half, uns ganz auf die Übungen, auf unseren Körper und auf das „hier und jetzt“ zu konzentrieren. Es gab einfach wenig Ablenkungsmöglichkeiten und die gesamte Konzentration war auf die Yoga Praxis fokussiert. Selbst die Schweißtropfen, die nach einiger Zeit anfingen, am Körper herab zu laufen, waren nur kurz irritierend und lenkten letztendlich auch die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper.

Die Yoga-Übungen waren klassische Asanas, die man auch bei normalen Yoga-Stunden praktiziert. Die Hitze war angenehm, nicht zu heiß, und machte den Körper schön geschmeidig: Es fühlte sich nach „mehr Flow“ an. Für uns war das Hotpod Yoga eine schöne kleine Auszeit vom Alltag und wir können diesen Style Jedem empfehlen, der beim Yoga noch mehr bei sich und seinem Körper ankommen möchte. Menschen, die unter hohem Blutdruck leiden oder akut eine Entzündung haben, sollten Hot Yoga jedoch lieber meiden.

Hotpod Yoga ist übrigens auch Partner beim Urban Sports Club. Wer dort Mitglied ist, sollte das Angebot auf jeden Fall nutzen. Ansonsten kostet eine Stunde 15,00 Euro. Es gibt jedoch auch 5er oder 10er Karten oder Mitgliedschaften für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel eine Woche oder ein Monat. Diese große Auswahl an verschiedenen Mitgliedschaften gefällt uns: So ist man flexibel und es ist bestimmt für Jeden etwas dabei. Außerdem können Klassen ganz einfach online über die Webseite gebucht werden.

 

Hinweis: Die Teilnahme am Kurs wurde uns freundlicherweise von der Firma Hotpod Yoga Ltd kostenlos zur Verfügung gestellt.

Fotos: Fddb, Screenshots: hotpodyoga.com

Yoga – esoterischer Firlefanz oder Sport?

Wir haben schon oft Sportangebote vorgestellt und getestet, die gezielt dem Abnehmen und „fit werden“ dienen. Doch neben allen möglichen Neuheiten – HIIT Training, Cycling, Jumping, etc – gibt es einen „Trend“, der schon länger besteht und immer mehr Menschen begeistert: Yoga. Doch ist das eigentlich Sport? Oder nur esoterischer Hokuspokus? Wir möchten uns in einer Artikelreihe mit dem Thema auseinander setzen.

Manche Menschen, die bisher noch keinen Kontakt mit Yoga hatten, verbinden damit Räucherstäbchen, auf einem Kissen herum sitzen und meditieren. Also vielleicht eher ein Hobby für Esoteriker oder Muttis? 😉 Andererseits gibt es mittlerweile in Deutschland schon rund 3 Millionen Menschen, die Yoga praktizieren: Demnach doch keine Beschäftigung für „Außenseiter“?
Die Gründe, um mit Yoga anzufangen, sind unterschiedlich: Ruhe finden, Schmerzen lindern und/oder sich sportlich zu betätigen. Sport scheint also ein Bestandteil vom Yoga zu sein?

Ursprünglich stammt Yoga aus Indien und durfte dort anfangs nur von Männern praktiziert werden (soviel zum Vorurteil „das machen ja nur Frauen/Muttis“ 😉 ). Es diente als Vorbereitung des Körpers für die Meditation. Der Duden definiert Yoga entsprechend als „indische philosophische Lehre, die durch Meditation, Askese und bestimmte körperliche Übungen den Menschen vom Gebundensein an die Last der Körperlichkeit befreien will.“ Im Laufe der Jahre hat sich Yoga jedoch weiter entwickelt und viele verschiedene Formen angenommen. Während bei manchen Yogaformen immer noch die Meditation und die Besinnung auf den Geist im Vordergrund stehen, gibt es aber auch sehr sportliche Varianten, bei denen man definitiv ins Schwitzen kommt.

Generell lässt sich sagen, dass Yoga keine „Sportart“ ist, sondern einen Lebenseinstellung, die das Training für Körper UND Seele umfasst. So sollte man seinen Körper gesund halten, weil er der Tempel der Seele ist. Schließlich sagte schon der römische Dichter Juvenal: „Mens sana in corpore sano – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. Beim Yoga steht entsprechend nicht der sportliche Erfolg oder Wettbewerb im Vordergrund, sondern es geht um Achtsamkeit für sich und seinen Körper, um das „bewusst sein“ im Hier und Jetzt und die Konzentration auf seinen Atem und die Bedürfnisse des eigenen Körpers. Und im Grunde sind diese „Regeln des Yoga“ auch bei der Ernährung wichtig: Wer beim Yoga lernt, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten, der kann auch beim Thema Ernährung eher in sich hinein spüren, wann und ob man Hunger hat und welche Lebensmittel dem Körper nun gut tun würden. Ebenso wie ein „bewusstes Essen“ dazu führen kann, dass man wieder mehr Genuss spürt und sich gesünder ernährt. Deshalb gilt: Bei regelmäßiger Praxis fördert Yoga Gesundheit, Ausgeglichenheit und Vitalität.

Nichtsdestotrotz möchten wir auch einen Blick auf den sportlichen Aspekt des Yoga werfen. Man kann Yoga entweder nur alleine oder als Kombination mit anderen Sportarten praktizieren. Regelmäßige Yoga-Praxis verbessert die Haltung und Rumpfstabilität, verringert die Verletzungsanfälligkeit und stärkt die tiefer sitzenden Muskeln. Außerdem werden innere Organe und das Bindegewebe stimuliert, die Blutzirkulation gezielt angeregt und der Stoffwechsel aktiviert. Somit hat Yoga positive Effekte auf den gesamten Körper: Flexibilität, Koordination, Stärkung von Wirbelsäule und Tiefenmuskulatur, gesunde Gelenke, Ausdauer und Balance.

Die Yoga-Praxis setzt sich dabei aus drei Bereichen zusammen: Die Asanas – das sind die Übungen für den Körper. Pranamaya – die Atemtechnik, die für den inneren Ausgleich sorgen soll. Und Meditationsübungen für Achtsamkeit und für die Seele. Bei den Asanas gibt es Übungen zum Stretching und zum Muskelaufbau, für die Kraft. So ähnelt die „Stuhlposition“ beispielsweise einer Kniebeuge und dient dem Training der Oberschenkel. Auch die „Kriegerpositionen“ – Ausfallschritten ähnlich – stärken die Beine. Die „schiefe Ebene“ ist eine Liegestützposition, welche die gesamte Rumpfmuskulatur und die Arme trainiert. Je nach Yogastil werden die Asanas fließend oder eher statisch ausgeführt. Man kann dabei auf jeden Fall ins Schwitzen kommen und spürt anfangs auch oft einen Muskelkater nach der Praxis. In diesem Sinne gibt es von uns also definitiv ein Ja: Yoga ist also Sport. Aber nicht nur.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Yoga-Stilen und entsprechend für jeden Geschmack und jedes sportliche Level ein Angebot. Während Raja Yoga eher spirituell und durch ruhige Stellungen, Enthaltung sowie Atem- und Meditationsübungen geprägt ist, steht beim Hatha Yoga die körperliche Anstrengung im Vordergrund. Hatha Yoga ist bei uns im Westen auch am meisten vertreten. Außerdem gibt es Vinyasa Yoga mit sehr fließenden Bewegungen oder Iyengar Yoga mit eher statischen Übungen. Neuere „Trends“ beim Yoga sind Bikram oder Hotpod Yoga in 35 – 40 Grad heißen Räumen, Aerial Yoga – „schwebend“ in Tüchern“ oder das akrobatische Acro Yoga. In folgenden Artikeln werden wir euch ein paar unterschiedliche Yoga Style noch genauer vorstellen!

Wichtig ist, dass man als Yoga Anfänger auch wirklich einen Anfängerkurs besucht – egal, wie sportlich man schon ist. Nur wenn man die Basics lernt und die Grundpositionen korrekt ausführen kann, sollte man sich an schwierigere Positionen heran wagen, da ansonsten die Verletzungsgefahr zu groß ist. So gesund Yoga für den Körper auch ist: Manche Positionen sind anspruchsvoll und können bei falschem Ehrgeiz oder falscher Ausführung zu Verletzungen am Nacken, unteren Rücken oder an den Knien führen. Unter richtiger Anleitung kann man anspruchsvolle Positionen jedoch erlernen oder sich einfachere Alternativen zeigen lassen. So können der Kopfstand oder der Schulterstand beispielsweise zu Verletzungen und Schmerzen im Nacken führen. Hier sollte man mit kleinen Übungen anfangen und sich langsam und unter Anleitung herantasten. Außerdem gibt es dafür zum Beispiel den Feet-Up Hocker, der ein super Einstieg in den Kopfstand ist. Wie gut, dass wir den Hocker auch testen durften!

Bei richtiger Ausführung ist Yoga jedoch sehr gesund und kann sogar bei der Behandlung von Krankheiten helfen, Stress lindern und Nacken- und Rückenschmerzen reduzieren. Wir jedenfalls sind begeisterte Yoga-Fans und fühlen uns nach der Yoga-Praxis sowohl körperlich fitter als auch geistig entspannter. Deshalb haben wir bald noch mehr zum Thema Yoga für euch und stellen euch in weiteren Artikeln bestimmte Yoga-Style, -Hilfsmittel und -Techniken vor. Bleibt gespannt!

Fotos: Fddb